Druck der EU für mehr Wettbewerb

Die Entscheidung von Apple, eine solche Funktion zu integrieren, könnte auf den wachsenden Druck der EU zurückzuführen sein. Eine neue Regelung der EU, die ab 2024 in Kraft tritt, verpflichtet große Technologieunternehmen dazu, alternative App-Stores auf ihren Geräten zu ermöglichen. Unter Android gibt es seit jeher alternative App-Stores und Sideloading-Möglichkeiten. Apple hat sich jedoch bisher immer gegen eine Öffnung ausgesprochen und Sicherheitsbedenken angeführt.

So funktioniert Sideloading

Beim Sideloading lädt der Nutzer die App-Datei von einer anderen Quelle als dem App-Store herunter, beispielsweise von einer Website oder einem alternativen App-Store. Die App wird dann manuell auf dem Gerät installiert, indem der Nutzer die heruntergeladene Datei öffnet und den Installationsprozess durchführt.

Sideloading in iOS 17

Es wird erwartet, dass die Funktion des Sideloadings für iPhones mit dem Release von iOS 17 im Jahr 2023 eingeführt wird. Der für gewöhnlich gut informierte Bloomberg-Journalist Mark Gurman vermutet, dass die Einführung von Sideloading auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) stattfinden wird. Die WWDC ist eine jährliche Entwicklerkonferenz von Apple, auf der neue Betriebssystemversionen und Produkte vorgestellt werden.

Sicherheitsbedenken und Provisionsverlust

Apple hat sich bislang immer gegen das sogenannte Sideloading ausgesprochen und Sicherheitsbedenken angeführt. Nur Apps, die aus dem App Store geladen werden, sollen Apple zufolge kein Risiko für iPhones und iPads darstellen. Es gibt jedoch Kritiker, die vermuten, dass es Apple eher um die Provision geht, die bei Käufen im App Store fällig wird. Können Nutzer Anwendungen über einen alternativen App-Marktplatz laden, würde Apple die Provision entgehen.

Das Herunterladen von Apps von Drittanbieter-App-Stores birgt ein höheres Risiko für die Sicherheit von Geräten. Solche Apps können schädliche Codes enthalten, die vertrauliche Daten stehlen oder Schäden verursachen können. Apple hat in der Vergangenheit argumentiert, dass der App Store ein wichtiger Schutzmechanismus gegen Malware und andere schädliche Anwendungen ist, da alle Apps vor der Veröffentlichung sorgfältig überprüft werden.

Auf Android-Geräten ist das Sideloading von Apps seit Jahren aktiv und wird von vielen Nutzern genutzt, um Apps herunterzuladen, die nicht im offiziellen App Store erhältlich sind. Allerdings hat Google Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit bei der Installation von Apps aus Drittanbieter-App-Stores zu verbessern. Wenn man Apps von unbekannten Quellen herunterlädt, wird eine Warnmeldung angezeigt, die auf die potenziellen Risiken hinweist.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Drittanbieter-App-Stores ein höheres Sicherheitsrisiko darstellen. Viele App-Stores, die von vertrauenswürdigen Unternehmen betrieben werden, bieten eine sichere Möglichkeit zum Herunterladen und Installieren von Apps außerhalb des offiziellen App Stores.

Zukünftige Auswirkungen auf den App Store

In Zukunft werden Nutzer und Entwickler entscheiden müssen, ob die Vorteile des Herunterladens von Apps aus alternativen Quellen die potenziellen Risiken überwiegen. Durch die Einführung von Sideloading auf iPhones könnten Nutzer und Entwickler von einer größeren Auswahl an Apps und Entwicklertools profitieren. Es ist jedoch wichtig sicherzustellen, dass diese Apps sicher sind und keine Bedrohung für die Geräte darstellen.

Bisher gab es für Entwickler und Nutzer von Apple-Geräten keine andere Wahl als den App Store. Mit der Einführung von alternativen App-Stores könnten Nutzer in der Lage sein, von einer größeren Auswahl an Apps zu profitieren und Entwickler könnten von einer Verringerung der Provisionskosten profitieren. Das könnte eine bedeutende Veränderung im App Store Monopol von Apple bedeuten.

Aktuelle Lage im App Store

Apple hat eine besondere Stellung in der Welt der mobilen Geräte und kontrolliert mit seinem App Store die Verbreitung von Apps. Nur hier können Entwickler ihre Apps für iPhones und iPads veröffentlichen, wobei Apple entscheidet, welche Apps zugelassen werden und welche nicht. Dies hat jedoch einen Preis: App-Entwickler müssen hohe Provisionsgebühren an Apple zahlen.

Hohe Provisionsgebühren für App-Entwickler

Apple verlangt eine Provision von 30% auf alle Verkäufe und Abonnements, die über den App Store abgewickelt werden. Wenn ein Entwickler eine App für 10 Euro verkauft, behält Apple also 3 Euro. In den ersten 12 Monaten einer Abonnementdauer wird sogar eine Provision von 30% erhoben, danach sinkt sie auf 15%. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter einer Million US-Dollar müssen nur 15% Provision zahlen.

Einige App-Entwickler sind mit den hohen Provisionsgebühren unzufrieden, da sie die Preise für Verbraucher erhöhen. Außerdem gibt es Kritik an dem Monopol von Apple auf den App-Vertrieb auf seinen Geräten, da es für Entwickler keine andere Wahl gibt, als die hohen Gebühren zu akzeptieren. Zwar könnten sie ihre Apps auf anderen Plattformen wie Android oder Windows anbieten, doch müssten sie dann auf potenzielle Kunden auf Apple-Geräten verzichten.

Klagen gegen Apple

In den letzten Jahren gab es mehrere rechtliche Auseinandersetzungen um die Provisionsgebühren von Apple. Spotify klagte 2019 gegen Apple und warf dem Unternehmen vor, den Wettbewerb zu behindern und unfaire Bedingungen für App-Entwickler zu schaffen. Im August 2020 reichte auch Epic Games, der Entwickler von Fortnite, eine Klage gegen Apple ein, nachdem Apple den App Store gesperrt hatte, weil Epic gegen die Richtlinien von Apple verstoßen hatte.

Apple verteidigt seine Gebühren damit, dass sie notwendig sind, um die Sicherheit und Qualität von Apps zu gewährleisten und den App Store zu betreiben. Sie argumentieren auch, dass die Gebühren im Einklang mit denen von anderen digitalen Plattformen wie Google Play oder dem Amazon Appstore stehen.

Die Integration von Sideloading in iOS 17 könnte ein bedeutender Schritt in Richtung mehr Wettbewerb und Offenheit auf dem iPhone-Markt sein. Obwohl Apple bislang immer gegen eine Öffnung des App Stores ausgesprochen hat, könnte der Druck der EU und die Forderungen von Entwicklern und Nutzern dazu führen, dass Apple seine Politik ändert. Die Einführung von Sideloading auf der WWDC 2023 wird daher mit Spannung erwartet.

Stand: 19.04.2023

Quellen: https://www.golem.de/news/iphone-apple-koennte-sideloading-in-ios-17-einfuehren-2304-173486.html, https://www.giga.de/news/apple-plant-die-iphone-revolution-mit-ios-17-wird-alles-anders/