Die Akkulaufzeit der Apple Vision Pro beträgt gerade einmal zwei Stunden, sie ist nicht besonders unauffällig und wirkt in den Wohnzimmern der Werbespots, die der Hersteller zur Brille veröffentlich hat, irgendwie deplatziert. Erste Erfahrungsberichte zeigen aber, dass die verbaute Technik auf höchstem Niveau arbeitet. Zum Beispiel die akkurate Erkennung der Hände und Augen, die zum Steuern der Brille dienen. Zahlreiche Sensoren auf der Innen- und Außenseite ermöglichen das und es funktioniert scheinbar richtig gut. Auch das Eintauchen infiktive Welten soll unvergleichbar gut funktionieren. Die 23 Millionen Pixel ermöglichen eine höhere Auflösung als bisherige 4k-Fernseher das schaffen könnten und das für jedes Auge. Was Apples Vision Pro noch alles kann findest Du in meinem Artikel: Das ist Apple Vision Pro.
Aber diese ganze Technik benötigt eine Menge Platz und ist teuer. Mit $3,500 ist Apples Vision Pro nicht gerade günstig und durch seine unhandliche Größe auch nicht gerade für jeden Alltagsmoment geeignet. Die Werbespots zeigen aber, dass sie genau das sein soll. Durch das Drehen der Krone des Geräts lässt sich das Eintauchen in die fiktive Welt regulieren. Kameras auf der Außenseite der Brille ermöglichen, dass man trotzdem an der echten Welt um sich herum teilnehmen kann, aber währenddessen Inhalte auf der Brille wahrnimmt. Die Bilder zeigen aber, wie komisch das aussieht und dass auch die abgebildeten Augen auf der Außenseite der Brille dieses Erlebnis nicht natürlicher machen. Der Nutzer hat eben doch noch ein Headset auf dem Kopf und lässt sich im Gespräch dort möglicherweise gerade durch andere Inhalte ablenken. Ist die Brille von Apple dann überhaupt so besonders und fortschrittlich wie viele behaupten? Und die wichtigsten Fragen, braucht man das denn? Setzt sich sowas in Zukunft durch?

Die Antwort darauf ist mit hoher Wahrscheinlichkeit „Ja“. Auch wenn Preis und Formfaktor aktuell noch abschrecken mögen, hat Apple hier einen langen Weg eingeschlagen und gerade den ersten Schritt gemacht. Um die Relevanz der Vision Pro beurteilen zu können, lohnt es sich einen Blick in die Vergangenheit zu wagen.
Wie oft hat Apple es schon geschafft?
Viele kennen das Unternehmen durch seine Telefone. Die Vorstellung des revolutionären ersten iPhones 2007 gilt noch bis heute als Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Aber schon vorher hat Apple mit seinen iPods und Mac-Computern technische Entwicklung zur damaligen Zeit enorm vorangetrieben. Es mag aus heutiger Sicht schwer vorstellbar sein, aber auch der iPod hatte mal seine Hochphase und erfreute sich vor allem durch seine leichte Bedienung und den kleinen Formfaktor großer Beliebtheit. Endlich keinen Walkman mehr mit rumschleppen! Und da die kleinen MP3-Player aus Aluminium waren, waren sie auch schon damals besonders robust und haben sich hochwertig angefühlt. Aber das war nicht von Anfang an so.

Der erste iPod hatte noch Tasten aus Kunststoff und war deutlich klobiger und unhandlicher als seine erfolgreichen Nachfolger. Mit maximal 5GB Speicher würde man aus heutiger Sicht auch sagen, dass sich ein Kauf wohl eher kaum gelohnt hätte. Kein Spotify und die Übertragung von Musik auf den iPod funktioniert damals nur über einen Mac. Dennoch verkauft sich der erste iPod gut und es sollten viele weitere Modelle folgen. 2007 wurde die Funktion des iPods dann in das erste iPhone implementiert und Jahr für Jahr wurde diese unnötiger, bis er dann irgendwann von Apple nach der siebten Generation komplett abgesetzt wurde. Aber er lebt heute noch immer weiter, in jedem aktuellen iPhone und auch ein bisschen in allen anderen Smartphones. Der klobige und erst noch unpraktische erste iPod war also erst der Anfang und hat den Weg für Weiterentwicklungen geebnet.
Diese Entwicklung gilt für alle Produktkategorien aus dem Hause Apple, Macs, iPhones, iPads, AirPods und bis hin zu der ersten Computermaus. Alle sind sie nicht mehr, wie sie zu Beginn mal waren und haben sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Bezieht man das auf Apples neue Kategorie, das Vision Pro, muss man annehmen, dass auch dieses eine solche Entwicklung hinlegen wird.
Wo soll es mit dem Vision Pro hingehen?
Genau lässt sich das natürlich nicht sagen, aber wenn Apples Vision Pro eine vergleichbare Entwicklung zurücklegt, wie der erste iPod, dann macht es Hoffnung, dass es vor allem weniger klobig, handlicher und alltagstauglicher wird. In erster Linie wird es in den zukünftigen Jahren aber wahrscheinlich günstiger werden. Weitere Entwicklung könnte nämlich auch die Entwicklungskosten senken.

Wenn man wissen möchte wo die technische Entwicklung hingehen könnte, lohnt sich ein Blick auf andere Hersteller, wie Microsoft oder Google, die mit ihren Brillen bereits einige Jahre Erfahrung auf dem Markt sammeln konnten. Google führte schon 2014 mit ihrer Google Glass eine Brille ein, die für den Betrachter Inhalte in das reale Leben projizieren konnte. Auch diese war nicht besonders unauffällig, kapselte den Nutzer jedenfalls nicht so sehr von der Außenwelt ab, wie die Vision Pro es tut. Aktuell arbeitet Microsoft mit einer Lösung, die sie die Hololens nennen. Dabei setzen sie hauptsächlich auf Unternehmen als mögliche Kunden. Auch diese ist vielversprechend und wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln. Man kann also annehmen, dass die Brillen den Nutzer weniger abschotten, handlicher und unauffälliger werden. Denkbar wäre ebenfalls, dass sie irgendwann den heutigen Brillen, die Menschen tragen, um besser sehen zu können, zum Verwechseln ähnlichsehen und trotzdem dem Nutzer Inhalte anzeigen können, mit denen dieser dann interagieren kann.
Wohin die Reise geht, kann also nicht gesagt werden, aber wir bekommen schon jetzt eine Vorahnung dessen, was möglich ist. Das Wichtigste ist aber, dass von Apple nicht zu erwarten ist, dass sie das Projekt Vision Pro bei geringer Nachfrage einstellen, so wie es andere Unternehmen in der Vergangenheit bereits gemacht haben. Denn dafür ist das Aufsehen und die bisher geflossenen Geldsummen einfach zu hoch gewesen. Daher heißt es ab jetzt nur noch abwarten und sehen, was die Zukunft bringt. Denn auch wenn das aktuelle Vision Pro an einigen Stellen noch sichtbar zu kämpfen hat, wird sich das in den kommenden Jahren schneller ändern, als wir uns es jetzt vorstellen können.